Menu

Ich sehe was, was du nicht siehst

lifestyle

Ich sehe was, was du nicht siehst

Präsentationen non stop. Selbstdisziplin. Kreativität auf Knopfdruck.
Das dritte Semester ist so gut wie vorbei und ich bin mehr als erleichtert. Es war das erste Mal für mich ein halbes Jahr lang an einem Projekt zu arbeiten. Von Anfang bis Ende musste dieses durchgezogen und dokumentiert werden. Auch wenn gerade niemand da war, der einen unterstütze, musste man sich selbst aufraffen und einfach weiter machen. Es gab Tage an denen ich mir einfach nur das Semesterende herbei wünschte. Jedoch jetzt, nachdem ich gestern meine Abschlusspräsentation hatte, fliegen mir schon wieder etliche neue Ideen, für andere Projekte, im Kopf herum. Natürlich brauch ich jetzt erst einmal die lang erhoffte Pause, während den Semesterferien, um neue Energie zu tanken. Vor allem in der Kreativität finde ich es auch besonders wichtig, sich frei zu schaufeln und auch Zeit lang etwas anderes zu tun, um dann wieder mit einem freien Kopf starten zu können.
Der Titel des Projektes hieß „sensory interfaces“ . Hier ging es darum ein Thema zu finden, welches natürlich Ursprungs ist, und noch dazu unsere Sinne anspricht.
Viele von euch wissen wahrscheinlich nicht, dass ich stark kurzsichtig bin (LA -11,5 ; RA – 11). Wahrscheinlich ein Grund sich zu schämen. Auch für mich ist es nicht optimal, jedoch war es mir trotzdem wichtig dieses Defizit auch von einer anderen Seite zu betrachten. Kein Mensch ist perfekt, und es ist durchaus okay Fehler zu haben und zu diesen zu stehen.

Verschleierung. Reflexion. Umrisse. Farbfelder. Begriffe, die das beschreiben, was ich normalerweise sehe. Was für die meisten Menschen selbstverständlich ist, gelingt mir nur mittels Brille oder Linsen, nämlich das „scharfe Sehen“. Genau das bestimmt die Norm, alles Undeutliche oder Verzerrte wird ausgeblendet. In dem Moment erlebe ich nicht nur eine Wahrnehmung, die von der Norm abweicht, sondern ein anderes Ausmaß der Wirklichkeit. Schlechtes Sehen dagegen gilt nicht als Qualität, sondern als verbesserungswürdig. Was anders wahrgenommen wird, existiert in der Realität nicht. Diesen Blickwinkel möchte ich in meinem Projekt umkehren und habe so meine Kurzsichtigkeit zum Untersuchungsobjekt gemacht. Wie andere Lebewesen eine andere Welt sehen, kann auch unscharfes und eingeschränktes Sehen etwas anderes zum Vorschein bringen. Wie kann man diese unsichtbare Ebene (für andere) sichtbar machen?

Angefangen mit der Untersuchung meiner Sicht, habe ich versucht, die abweichende Sehfunktion nach außen zu bringen und in räumliche Elemente oder Flächen zu übertragen. Im Zentrum standen dabei die Effekte der Verschleierung und der Reflexion. Zunächst wurde mit, vor die Kameralinse gehaltenen, Materialien versucht, die Fehlsichtigkeit zu imitieren. Nach einigen Versuchsreihen konnte dann durch die entstandenen Bilder die Art und Weise, wie ich Objekte sehe, in Form eines Fotos dargestellt werden. Durch übereinander gelegte Ebenen (gelasertes Plexiglas, bedruckte Folie, etc.), dessen Vorlage die Fotos waren, wurde das ganze in Material übersetzt. Um die Funktion einer Art „Sehprothese“ wieder aufzugreifen, muss etwas geschaffen werden, dass sich im Raum befindet und durch das man hindurch sehen kann. So wird das was sich dahinter befindet und auch die Raumerfahrung verändert. Der Aspekt der Flexibilität, dessen Ursprung hier in der Beweglichkeit des Auges wiederzufinden ist, soll ebenso berücksichtigt werden.

Im Blick sind nun sowohl scharfe Sehbereiche als auch solche, in denen die Dinge anders wahrgenommen werden und die ebenso ein beeinträchtigtes wie auch ein alternatives Sehen widerspiegeln. Jenseits dieser Erfahrungsebene können die Seherweiterungen aber auch in ganz anderen Zusammenhängen funktionieren. Aus transparentem Garn gewebte Teile des Vorhanges schaffen zum Beispiel neben ihrer optischen „Funktion“, der Verschleierung, auch einen Sichtschutz. Phosphoreszierende Garne, die sich am Tage aufladen, geben bei Dunkelheit an bestimmten Stellen Licht ab, welches sowohl die Reflexion wieder spiegelt, als auch als Wegweiser dienen kann.So entsteht aus einem eigentlichen Defizit eine Sinneserweiterung für andere, welche noch dazu ästhetisch und funktional ist.

Vielen Dank für die Unterstützung !

Gunold   –   GLOWY-FLUOR “glow in the dark” threads

Madeira   –   luna threads
Victoria Pawlik        –   Electronic & Textile Institute Berlin

Sergej Derbin
Valeria Piskounova

paminaweiss
Share

This is a unique website which will require a more modern browser to work!

Please upgrade today!